Reclaim your Market


Druck auf Supermärkte durch Hamburger Doppelcamp

Unter dem Motto „Reclaim your Market“ werden wir am 18. August mit mehreren hundert Leuten einem eigens ausgewählten Supermarkt in Hamburg unangekündigt auf die Pelle rücken – einschließlich Musik, Show & Information. Ziel ist es, die immer rabiatere Geschäftspolitik von Supermarkt-Ketten an den Pranger zu stellen, vor allem dort, wo sie mit rassistischer Ausbeutung und systematischer Zerstörung ökologischer Ressourcen einhergeht.

Stichwort rassistische Ausbeutung: Mittels Marktmacht setzen Supermärkte ihre Zulieferer immer stärker unter Druck, meist auf Kosten der Beschäftigen. Viel diskutiertes Beispiel ist etwa der agrarindustrielle Obst- und Gemüseanbau in Südspanien, einem der wichtigsten Versorger deutscher Supermarkt-Ketten. 96 Prozent der mehr als 100.000 LandarbeiterInnen sind MigrantInnen aus osteuropäischen, lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern. Viele von ihnen haben keine Papiere, das ist der Grund, weshalb die Landwirte den Preisdruck der Supermärkte relativ unkompliziert weiterreichen können: Für einen zehnstündigen Arbeitstag erhalten migrantische TagelöhnerInnen durchschnittlich 20-30 Euro, Arbeitsschutz – insbesondere vor Pestiziden – existiert kaum, in vielen der provisorischen Unterkünfte gibt es weder Wasser noch Strom.

Stichwort Umweltzerstörung: Supermärkte entfalten ihren Druck über Preise genauso wie über Mengen-, Qualitäts- und Verpackungsvorgaben. Ihre Einkaufspolitik ist auf diese Weise einer der zentralen Gründe, weshalb kleine Bauernhöfe kaum noch überlebensfähig sind. Verheerend ist das nicht nur sozial sondern auch ökologisch. Denn je größer und somit industrialisierter landwirtschaftliche Betriebe sind, desto umfassender fallen die Schäden an Wasser, Böden und Wäldern aus – mit desaströsen Konsequenzen vor allem fürs Klima.

Es dürfte sich von selbst verstehen: Reclaim your Market zielt auf mehr als bloße Information. Wir möchten vielmehr auch zur Kooperation mit all jenen Bewegungen, Initiativen und (Basis-)Gewerkschaften aufrufen, die bereits in konkrete Kämpfe um globale Rechte verwickelt sind. Beispielhaft sei etwa die andalusische LandarbeiterInnengewerkschaft SOC-SAT erwähnt, welche papierlose LandarbeiterInnen sowohl arbeitsrechtlich als auch aufenthaltsrechtlich unterstützt – im Übrigen aus der Perspektive migrantischer Selbstorganisierung.

Last but not least: Bei allem Druck auf (landwirtschaftliche) Zulieferer, zweierlei sollte auf keinen Fall aus dem Blick geraten. Einerseits, dass sich auch Transport-ArbeiterInnen oder die Angestellten von Supermarkt-Ketten mit massiver Entrechtung konfrontiert sehen, andererseits, dass zahlreiche Menschen finanziell schlicht und ergreifend auf Billigdisocunter angewiesen sind. Vor diesem Hintergrund soll in Hamburg auch der Frage nachgegangen werden, wie Solidarität entlang der Wertschöpfungskette organisierbar ist, das heißt, wie sich migrantische LandarbeiterInnen, TransportarbeiterInnen, Supermarkt-Angestellte und (prekarisierte) KonsumentInnen in ihren Kämpfen um Rechte wechselseitig unterstützen können.

 

// Mobilisierungszeitung zum Hamburger Doppelcamp // Hrsg. von Transact! // August 2008 // Nr.1 //

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